Ich weiß genau wen ich reinreiten würd´!

Wir sitzen, an eine Sofarückwand gelehnt, im hinteren Teil einer Art „Chilloutzone“ im Dämmerlicht und versuchen unsere Gedanken zu ordnen während eine Berliner Spezialität die Hände wechselt. Bis vor fünf Minuten haben wir noch Anne Roth, der Lebensgefährtin von Andrej Holm, gelauscht. „Leben mit der Vollüberwachung“…

Fast hinter dem Pult verschwindend steht die personifizierte Kinderspielplatz-Mama und erzählt, zum Teil mit gequetschter Stimme, wie dass so ist, wenn man weiß, dass jedes Telefongespräch abgehört wird und das Gefühl, dass sich ausbreitet wenn man den ganzen Tag verfolgt wird. Sie berichtet von konfiszierten Geburtstagsgeschenken der Kinder, von Kameras vor und hinter dem Haus, von „verlorengegangenen E-mails“ und davon, wie sie ihre Mutter anruft um mit den ermittelnden Beamten Kontakt aufzunehmen. Ein erschreckender Bericht darüber, was (anscheinend) in Deutschland rechtens ist, und was Menschen zu befürchten haben, die in ihren wissenschaftlichen (!!) Veröffentlichungen politisch umstrittene Wörter verwenden.

Und wir sitzen hier und überlegen, wen wir, in der selben Situation steckend, anrufen würden um ein paar verfängliche Formulierungen fallen zu lassen…. …und verwerfen den Gedanken wieder. Niemand sollte so eine Überwachung gegönnt werden.

Außerdem haben wir heute viel zu viel nette Leute kennen gelernt, als dass es sich lohnen würde finsteren Gedanken nachzuhängen. Der Kongress ist vor allem eines: Viel Fun! Hier in Berlin versammelt sich eine Horde technisch begabter Menschen um dem Spieltrieb zu huldigen. Überall im gesamten Gebäude verteilt liegt Krimskrams herum, der blinkt, leuchtet, umherschwebt oder auch einfach nur so aussieht als wäre er zu etwas nütze.

Den Anfang machte eine Apparatur bei der eine Dampfmaschine einen uralten Telegraphen-Ticker antreibt, angeschlossen an einen Laptop, um das ganze per RSS-Feed zu übertragen. Aber auch wirklich nützliche Dinge, wie eine Drohne, ein Paket Minifeilen um Schlüssel bzw Dietriche herzustellen, eine Modul um eine sechzehn-mal-sechzehn große Matrix anzusprechen, nützliche Hinweise, was man beim Sprengstoffherstellen beachten muss…. ….und natürlich auch alles was zum Thema Technik an Büchern und Bekleidung aufzutreiben war.

So krass das auch alles klingt, das Level kriminelle Energie, die hier vorherrscht dürfte in jedem Nonnenkloster deutlich höher liegen. Hier wird einfach nur eine Kultur gefeiert, in der die Neugierde zum höchsten Gut erklärt wurde und die blödeste Idee zusammen mit der Einfachsten, der Schnellsten und der Kkreativsten prämiert wird. Hauptsache es hat Spaß gemacht.

So, und jetzt werden wir zwei wieder Spaß haben. Mein Hintern wird den geschundenen Teppich verlassen, und wenn die Musik, die uns hier in der Nähe des „Hackcenters“ beschallt langsam leiser wird weiß ich, dass ich mich gleich wieder in einer Welt befinden werde, in der die Zukunft schon lange gelebt wurde, bevor kluge Vermarktungsstrategen auf die Idee kamen, dem ganzen ein Branding zu verpassen. …und eine Welt in der ich schon lang mal vorbei schauen hätte sollen.

So, ich denke noch ganz kurz darüber nach, was mein Deutschlehrer auf dem Kolleg zu dem letzten Satz sagen würde und beschließe, den Artikel heute Abend auf den Blog zu stellen.

Lieber nicht mein Passwort über ein Funknetz schicken, in das noch soundsoviele Hacker eingeloggt sind. ;-)




  1. 9 Responses

  2. Bezüglich des Vortrags von Frau Roth:
    Die Linke mißt gern mit zweierlei Maß, denn sie verlangt für sich Überwachungs-und sogar Straffreiheit bei ” Gewalt gegen Sachen”, während strafrechtliche Maßnahmen gegen politische Aktivisten von rechts auch dann begrüßt werden, wenn die nationalen Aktivitäten sich auf das Äußern einer verbotenen Meinung beschränken. Oder noch schlimmer: wenn ganz legalen politischen Aktivisten von rechts mit ähnlichen oder noch schlimmeren Methoden wie den von Frau Roth geschilderten ein bürgerliches Leben verunmöglicht wird. Nur einige von den Maßnahmen, die gegen rechts so üblich sind : Kontenkündigung, Vorsprache von Polizei oder Verfassungsschutz beim Arbeitgeber des nationalen politischen Aktivisten, natürlich auch das ganze Arsenal der verdeckten und offenen Überwachung mit dem Ziel der psychischen Zermürbung des politischen Aktivisten. Daß ein rechtsradikaler politischer Aktivist nie einen Posten als Hochschuldozent erhalten würde, begrüßt die linke Elite, für sich selbst reklamiert sie aber akademische Karrieren.
    Wer mit zweierlei Maß mißt, wird bald feststellen, daß Demokratie unteilbar ist. Wer dem politischen Gegner im ” Kampf gegen rechts” Rechte vorenthalten möchte, die er selber für sich reklamiert, ist ein Totengräber der Demokratie, denn die Kapitalmacht wird gegen Links dann genauso repressiv wie gegen rechts vorgehen, wenn linkes Engagement über den Talkshow-Salonkommunismus eines Herrn Gysi hinausgeht, sich z.B. als ” Stadtsoziologie” real störend gegen Kapitalinteressen stellt.
    Thomas Kurbjuhn

    By Thomas Kurbjuhn on Dec 28, 2007

  3. Sehr geehrter Kurbjuhn,
    ich habe nicht mit zweierlei Maß gemessen. Wie sie meinem Bericht entnehmen können wünsche ich NIEMAND dass auf solche Weisse in sein Privatbereich eingebrochen wird. Das ist für mich ein Grundrecht, dass ÜBERHAUPTNICHT angetastet werden sollte.

    Dies sollte also nicht in einer Disskusion münden, ob Andrej Holm zu unrecht verdächtigt wird, oder ob er schuldig ist, sondern wie der Staat mit (potentiell !!!) Schuldigen umgehen darf. Und ob dies in einem Verhälltnis zur begangenen Straftat steht. Ob ein Auto jetzt von einem “Linken” oder einem “Rechten” angezündet wird ist, wie Sie richtig bemerken, egal, und es ist eine Straftaat. Aber es muss darüber disskutiert werden, in welchem Umfang ein Rechtsstaat “zurückschlagen” darf. Es geht wie gesagt um Sachbeschädigung und ähnliches, nicht um Mord, Vergewalltigung, Entführung….

    Auch ist das erschreckende die Tatsache, auf welcher argumentatieven Grundlage die Überwachung erfollgt. Ich finde es einfach erschreckend, wie schnell kausale Verbindungen hergestellt werden. Denn dann gehören wohl auch leute wie ich zum gennerell verdächtigen Kreis. Auch ich bin (zumindest ein Bischen) Links, (einigermaßen ;-)) intelligent, verfüge über Bildung und versuche wenig Daatenspuren zu hinterlassen….

    ….aber das bringt uns vom Punkt weg. Niemand sollte solche eingriffe Aufgrund eines Verdachts erfahren müssen.

    By privat on Dec 28, 2007

  4. Hallo,

    ich denke Herr Kurbjuhn hat eingangs deutlich gemacht, daß er sich auf Frau Roth bezieht und nicht Ihnen einen Vorwurf macht.

    Was den Staat und seine Regierung angeht, darf in Frage gestellt werden, ob dieser und seine “rechtsstaatlichen” Mittel überhaupt noch als demokratisch bezeichnet werden können. Meiner Meinung nach nicht! Das das Anzünden von Autos eine Straftat darstellt, kann auch nicht zweifelsfrei im Raum stehen. Es gibt manchmal keine andere Möglichkeit sich zu wehren, als in dem Falle dann “strafrechtlich” in Erscheinung zu treten. Der Staat an sich kriminalisiert den Bürger und versucht ihm dann einen Strick daraus zu drehen.

    Es müssen die Menschen aufwachen und ihr ewiges Schrankendenken zwischen links und rechts aufgeben. Es nützt niemandem, wenn sich angeblich feindliche Gruppierungen die Schädel einschlagen oder gegeneinander demonstrieren. Das ist natürlich, was der Staat will und weshalb die einschlägigen “linken” als auch “rechten” Gruppierungen vom Verfassungsschutz unterwandert sind. Es wird ewig weiter ein ach so schönes Feindbild aufgebaut, von diesen Provokateuren. Aber nur, weil es dem Staat nutzt, zu zeigen, schaut hin: “links die Idioten, die alles in Schutt und Asche legen und rechts diejenigen, die neue KZ’s errichten werden”! Natürlich gibt es auf jeder Seite die nützlichen Idioten, die sich für Straftaten benutzen lassen und dann auch noch gefeiert werden, wenn sie dann verurteilt. Der FEIND steht oben nicht links oder rechts. So lange es den gesteuerten Medien gelingt, das Volk zu verdummen, so lange wird sich nichts ändern. So lange es Menschen gibt, die sich von “links” und “rechts” (VS) benutzen lassen, so lange wird es keine Revolution von unten geben. Es wird sich nichts an der derzeitigen Situtation ändern. Im Gegenteil, der Bürger wird immer mehr in die Ecke gedrängt. Und irgendwann ist Orwells Vision Realität. Und dem Proll ist es egal, hauptsache es gibt Bier, Cola, Chips und Nachmittagsbildungsfernsehen.

    In diesem Sinne, laßt euch nicht provozieren oder für Illegalitäten benutzen, so lange sie illegal sind.

    By Auch einer on Dec 29, 2007

  5. dann sollten sie sich aber dafür einsetzen, daß holger apfel wieder hotelzimmer buchen darf und die banken npdmitgliedern nicht die konten kündigen.

    By thomas kurbjuhn on Dec 29, 2007

  6. Die Situation mit den Problemen von NPD-Funktionaeren gleichzusetzen kann aus mehreren Gruenden nicht funktionieren, natuerlich wird es dennoch versucht, denn die Rechten haben sich selbst schon immer als die besonders verfolgten gesehen.

    Nicht nur dass die Referentin anders als Holger A. nicht seine politische Gesinnung in Form eines Parteiamtes und Landtagsmandat in oeffentliche Politik umsetzt, vielmehr ist der Unterschied doch dass im genannten Fall die repressive Reaktion des Staates problematisiert wird, ganz anders als die einer Zivilgeselltschaft, wenn sich ein Hotelmanager entscheidet seine Zimmer nicht an eine Partei zu vermieten.

    By hilde m. on Dec 29, 2007

  7. Sehr geehrter Herr Kurbjuhn,
    während sich der eigentliche Bericht um staatliches Verhalten dreht, beziehen Sie sich in Ihrem letzten Kommentar auf privatwirtschaftliches Handeln. Wie Ihnen jeder Dozent in einer Vorlesung zum Bürgerlichen Recht im universitären Grundstudium mitteilen wird hat ein Interessierter (Herr Apfel, NPD-Mitglieder) nun mal keinen Rechtsanspruch darauf, dass ein Anbieter (Hotel, Bank) einen Vertrag mit ihm schließt. Und ob dies nun ungerecht ist oder einfach Vertragsfreiheit liegt im Ermessensspielraum jedes Einzelnen, hat jedoch nichts mit dem eigentlichen Thema hier zu tun.

    By Andre C. Klapper on Dec 29, 2007

  8. als währe er zu etwas nütze

    Test

    By Konrektor on Dec 30, 2007

  9. Letzter Satz im vierten Absatz.

    By Konrektor on Dec 30, 2007

  10. THX!!!!

    By privat on Dec 30, 2007

Post a Comment